1000 km bis zum Meer…

Mit dieser Tram ist schon Lenin zur Arbeit gerollt...
Mit dieser Tram ist schon Lenin zur Arbeit gerollt...

Mein neuer Job und unsere Idee die Welt zu vermessen – das passt zusammen wie Berge und Meer, nämlich perfekt. ;-) Denn in meiner neuen Funktion werde ich viel reisen und auch in Gegenden, in denen ich noch nie gewesen bin. So hat mich gleich mein erstes Projekt in ein neues Land geführt, sogar das größte der Erde, und dazu in eine Stadt, in die man als Touri nicht unbedingt so häufig kommt...

 

Das süße Perm liegt tief im Herzen der gigantischen russischen Landmasse, wenige Kilometer westlich vom Ural und damit noch so gerade eben in Europa. 1000 km bis zum Meer, die sind es von Perm aus locker und zwar Luftlinie und das egal in welche Richtung! Um dennoch ein bisschen am Wasser zu wohnen, verteilen sich die knapp 1 Millionen Einwohner von Perm über die beeindruckende Distanz von 70 km, die sich die Stadt entlang des Flusses Kama zieht. Täglich stürzen sie sich wagemutig (oder vielleicht auch todessehnsüchtig, denn Unfälle gibt es am laufenden Band) in den russischen Verkehr, um ihrem Beruf in einer der zahlreichen hier angesiedelten Schlüsselindustrien nachzugehen: vom Raketentriebwerk bis hin zum Geldschein wird hier eigentlich alles gefertigt, was Rang und Namen hat.

 

Genau das ist auch der Grund, warum die Stadt Perm zu Sowjetzeiten quasi Sperrgebiet war und die ersten Touristen erst Mitte der 90er Jahre angekommen sind. Und gut 20 Jahre später bin ich dann hier eingetrudelt und habe mir die Gelegenheit, mir das ganze mal ein bisschen genauer anzuschauen, natürlich nicht entgehen lassen. ;-)

 

Die erste Theorie, die ich dabei über Perm entwickelt habe, ist, dass sich die Stadt ihren Namen gleich doppelt teilt: einerseits mit dem historischen Permzeitaler, in dem es an der ein oder anderen Stelle noch zu stecken scheint, und andererseits mit dem Permafrost, der hier herrscht… Ok, die Beweiskette für letztere Behauptung mag etwas dünn sein, die Tatsache, dass ich im Oktober schon wieder Schnee sehen würde, nachdem wir im Juni erst nach Melbourne gezogen sind, hat mich aber im wahrsten Sinne des Wortes einfach kalt erwischt.

 

Die nächste Erkenntnis, die sich danach aufdrängt ist, dass sogar das Internet nichts daran ändern kann, wenn es in einer Stadt einfach nicht sonderlich viel zu sehen gibt. Zwei Museen, eine grüne Linie durchs Stadtzentrum, die an den wesentlichen „Sehenswürdigkeiten“ vorbeiführt… That’s it, da kann man noch so lange recherchieren. Auch der nahe gelegene Ural, der sicherlich einiges an Natur zu bieten hat, liegt dann doch nicht so nahe, dass man mal eben hinfährt, vor allem nicht bei Nieselregen um den Gefrierpunkt.

 

Wer also mit dem Gedanken eines Besuchs spielt, der sollte sich Folgendes bewusst machen: ein Oktober in Perm, der ist vor allem eines, nämlich grau! Warum sollte man also trotzdem als Normalsterblicher nach Perm? Ehrlich gesagt, eine wirklich gute Antwort habe ich darauf nicht…

 

Drängt sich die nächste Frage auf, was die 1 Millionen Menschen machen, die das ganze Jahr hier verbringen? Ok, einige Theater gibt es noch, das habe ich unterschlagen, aber das kann es doch nicht sein?

 

Daher eine letzte Theorie von mir, nämlich wie die Russen durch ihren Winter kommen: sie zelebrieren die Gegensätze! Gegen die Kälte auf der Straße heizt man eben die Wohnung bis zum Anschlag hoch (sobald man in ein Gebäude kommt, fängt man unweigerlich an, sofort alle Klamotten von sich zu schmeißen)! Weiterhin kann es zwar draußen in der Kälte durchaus etwas rauer zugehen (Rotwildjagd und Eishockey stehen extrem hoch im Kurs), nichtsdestotrotz waren die Russen, die ich hier kennen gelernt habe, allesamt extrem liebenswürdig, freundlich und aufgeschlossen!

 

Naja, und wenn alles nichts hilft, dann vielleicht doch noch die Flasche Wodka. Die hat mir allerdings, allen Klischees zum Trotz, niemand angeboten…

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mücke (Dienstag, 05 November 2013 07:36)

    Das ist ja mal eine spezielle Erfahrung ! Ob Duisburg als Partnerstadt im Wesentlichen etas anderes bietet??????

    Den Wodka musst Du vielleicht immer dabei haben - zum Anbieten?

    Du lernst hoffentlich interessante Menschen kennen .

    Erkälte Dich nicht !

    Das wünscht

    Mücke