Great Ocean Road

Es gibt Orte auf dieser Welt, da ist der Name einfach Programm. Dazu fallen mir beispielsweise der Grand Canyon in den USA ein, das Valle de la Luna (Tal des Mondes) in Chile, der Montblanc in Frankreich oder aber direkt bei uns um die Ecke in Australien die Great Ocean Road. Die ist nämlich auch genau das: eine Very Great Ocean Road!

 

Beginnen tut sie kurz vor dem berühmten Surfer Strand Bells Beach, gar nicht weit entfernt von der Bellarine Peninsula, die die Port Phillip Bay vom Westen her vom Südpolarmeer abschließt und quasi das Gegenstück zur Mornington Pensinsula bildet (siehe Am Ende der Bay). Von da aus zieht sie sich entlang der Küste von Victoria vorbei an dem Highlight der Strecke, den Zwölf Aposteln, bis hin zur südaustralischen Grenze.

 

Eine Fahrt auf der Great Ocean Road hat relativ wenig mit einer Autofahrt zu tun, wie man sie vielleicht aus Deutschland kennt und deren wesentlicher Zweck ist, von A nach B zu kommen. Dafür hat sie aber erstaunlich viel zu tun mit einer Mischung aus einem Michael Martin-Diavortrag, den Surfweltmeisterschaften und dem Healesville Sanctury ohne Zaun (siehe Weintrauben und Beuteltiere). Abwechselnd bieten sich irre Blicke auf Steilküsten und Strände mit Surfern und alle 50 m hat man das Bedürfnis links ranzufahren (und nicht rechts, woran man auf dutzenden von Schildern erinnert wird ;-)), um eine noch schönere Aussicht zu genießen. Vor und hinter einem tuckern gemütlich die Autos her und unterbieten spielend jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung, da hier so gut wie niemand entlangfährt, der tatsächlich dringend irgendwo hin muss.

 

Nach etwa ein bis fünf Stunden Fahrt (je nachdem wieviele Fotostopps man einlegt) biegt die Great Ocean Road für einige Zeit ins Hinterland ab. Die Augen wandern nun abwechselnd in die sanfte Hügellandschaft und die Wipfel der Gum Trees, wo man mit ein bisschen Glück einen Koala beim Mittagsschlaf erspähen kann. Wieder ein gutes Stück weiter ist sie dann wieder da, wo sie hingehört, nämlich am Meer und spätestens jetzt bekommt man den Mund gar nicht mehr zu. Denn vor einem liegt die vielleicht schönste Sandsteinküste der Erde. Riesige Felsgebilde ragen stolz aus dem Meer und sind doch im wahrsten Sinne des Wortes zum Untergang verdammt, denn der rauen See können sie auf Dauer nicht widerstehen.

 

In die turmhohe Steilklippe sind kurz vor den Zwölf Aposteln Stufen geschlagen, die sogenannten Gibson Steps, auf denen man durch die Felswand hinunter zum Strand gelangt. Dort brodelt das Meer und wenn die Sonne bereits tief steht und die Gesteinsriesen im leichten Nebel der Gischt ihre Schatten werfen, dann lässt sich die schon fast surreale Szenerie einfach nur noch mit dem Wort 'wunderschön' beschreiben. Das wissen auch die Kängurus, die sich rechtzeitig zum Sonnenuntergang vereinzelt auf dem oberen Felsplateau zeigen. Vielleicht um auch einen kurzen Blick auf die Wellen zu erhaschen…

 

Und das Beste: wenn man denn unbedingt möchte ist man sogar rechtzeitig zum Schlafen gehen wieder zu Hause in Melbourne, kann sich in sein eigenes warmes Bett kuscheln und von einem Tag am Meer träumen!

 

Genau das alles haben wir am letzten Wochenende gemacht. Anlass war der bereits lange angekündigte Besuch von Stephanie und Jia Jin (siehe Kontinente-Hopping), unsere ersten deutschen Gäste hier in Australien. Wobei die beiden natürlich Malaysier sind, aber halt aus Deutschland. Derzeit machen sie Urlaub in Down Under und haben sehr zu unserer Freude am Samstagabend auf ihrem Weg von Sydney nach Melbourne einen Stopp bei uns in St. Kilda eingelegt. An dem Tag hatten sie bereits das niedliche Phillip Island besucht, waren allerdings ein klein wenig enttäuscht, da ihnen dort keine der Hauptattraktionen über den Weg gelaufen ist, die Little Penguins. Kein Problem! Schließlich gibt es auch in der Port Phillip Bay eine (und nur eine!) Little Penguin Kolonie und die ist nur einen kurzen Verdauungsspaziergang von unserer Haustür entfernt, am Ende des St. Kilda Piers! Also ging es nach der Zucker-Himbeer-Joghurt-Nachspeise gleich los, vorbei am Luna-Park (der Roller Coaster ist tatsächlich komplett aus Holz, wie Jia Jin erstaunt feststellt…) und weiter zum Strand. Pinguine gesehen, danach noch kurz an den Bäckereien und Kneipen in der Acland Street vorbeigebummelt und dann ab ins Bett, schließlich stand für Sonntag ja einiges auf dem Programm!

 

Entsprechend früh ging es am nächsten Morgen auch los. Um acht Uhr saßen wir bereits im Auto in Richtung Great Ocean Road. Was tut man nicht alles für ein bisschen Meer… Gegen halb zehn hing uns der Magen dann schon auf den Füßen, dafür war aber die Küste in Sicht und das Picknick nicht mehr fern. Ein geeigneter Strand zum Frühstücken, ganz für uns alleine, war schnell ausgemacht, sogar mit der Möglichkeit ein paar hundert Meter entfernt einen coffee to go zu erstehen. Einzig der Himmel war zunächst noch etwas bewölkt. Aber kein Grund zur Sorge, in Victoria hat das gar nichts zu bedeuten. Tatsächlich wurde das Wetter von Stopp zu Stopp besser und Jia Jins Begeisterungsausrufe lauter. Und dann war eigentlich alles genauso, wie oben bereits beschrieben: Meer und Sonne, Koalas und Kängurus (ok, vielleicht auch nur Koala und Känguru), Felsen und Strand!

 

Wie es genau ausgesehen hat, das könnt ihr euch am besten auf den Fotos anschauen. Oder sogar noch besser: ihr kommt direkt hier vorbei und erlebt es selbst!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mücke (Freitag, 27 September 2013 06:53)

    Really great :-)))))