Résumé

Der australische Winter ist aber auch hart...
Der australische Winter ist aber auch hart...

Résumé??? Haben die beiden sie noch alle? Noch keine zwei Wochen in Australien und wollen schon Résumé ziehen? Ist denen zuviel Blut in den Kopf gelaufen, seitdem die auf der anderen Seite der Welt wohnen???

Gemach! Gemach! Nein, uns ist hier nicht zu viel Blut in den Kopf gelaufen. Résumé ziehen, das tun wir zwar seit heute, nicht aber etwa über unsere ersten paar Tage hier in Australien, sondern vielmehr über unser gesamtes bisheriges Berufsleben. Résumé so pflegt der Australier nämlich seinen Lebenslauf zu nennen, neben dem Cover Letter der zweite wesentliche Bestandteil der australischen Jobbewerbung.

 

Job??? Aha, holt die beiden also langsam die Realität ein? Gut so!

Erneut: Gemach! Nun ja, vielleicht ein bisschen, aber wir wollen es ja nicht gleich übertreiben… Daher haben wir unsere Jobbemühungen am gestrigen Donnerstag erstmal mit dem folgenden Punkt gestartet: Shopping!

Wesentliche Teile unserer Business-Garderobe (insbesondere meine Schuhe) nehmen derzeit nämlich auch eine Auszeit vom Berufsleben: in einer unserer 72 Umzugskisten in einer Lagerhalle einer Spedition irgendwo in Berlin. Daher stand also ein Besuch in Melbourne CBD (Central Business District: ich würde ja auch lieber Downtown sagen, klingt irgendwie cooler, aber das ist wohl mehr amerikanisch als australisch…), wo wir uns dem überaus harten australischen Winter gestellt haben. ;-) Und zwischen Hochhäusern, Touri-Info, chinesischem Essen und den wunderbarsten Düften nach Waffeln und anderem Gebäck haben wir tatsächlich bei einem netten Brasilianer, der seit mittlerweile 23 Jahren in Australien lebt, ein paar Schuhe für mich erstanden.

 

Von diesem Erfolgserlebnis frisch motiviert haben wir es heute Morgen ganz ohne Wecker schon um 8:00 Uhr aus dem Bett geschafft und saßen bereits eine halbe Stunde später an unserem Multifunktionstisch, um die Arbeit des Tages in Angriff zu nehmen. Konkret hieß das für mich erstmal herauszufinden, wie denn so ein Résumé aufgebaut ist und was da so alles drin stehen muss…

 

Eines war leider ziemlich schnell klar: Aus einem deutschen Lebenslauf kann man bestenfalls die ein oder andere Datumsangaben übernehmen. Den Rest sollte man besser direkt neu schreiben. :-(

Mit zunehmender Recherche-Dauer kam dann zusätzlich mehr und mehr das Gefühl auf, dass das australische Résumé von einem besonders sadistischen Schlag von HRlern designt wurde.

Beispiel gefällig? Eine meiner meistgeliebten Fragen in jedem Jobinterview: ‚Wo sehen sie sich denn in fünf Jahren?’ Und der erste Abschnitt im australischen Résumé? ,Career Objective’ wo man in zwei, drei knackigen Stichpunkten seine Berufsziele für die Zukunft darlegen soll und zwar natürlich so, dass man aufgrund dessen auch eingestellt wird oder zumindest zum Gespräch eingeladen wird.

Weiteres Beispiel? Meine mindestens zweitliebste Frage in jedem Jobinterview: ‚Wo sehen Sie denn ihre persönlichen Stärken?’ Und der zweite Abschnitt im australischen Résumé? ‚Key Skills’, also mal schön die Stärken auflisten und natürlich mit ein, zwei knackigen Beispielen unterfüttern. Sprich: Die unangenehmen Fragen aus dem deutschen Jobinterview baut der Australier direkt in sein Résumé ein.

Und ansonsten? Da muss man Kurzbeschreibungen seiner ehemaligen Arbeitgeber verfassen und an anderer Stelle darf man sich neben den ‚Key Responsibilities’ im bisherigen Berufsleben auch noch über seine ‚Key Achievements’ auslassen, also ein bisschen Selbstbeweihräucherung. Ebenfalls eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. ;-)

 

Den heutigen Tag habe ich also mit den Freuden des australischen Jobmarktes verbracht. Währenddessen hat sich Heike mit den lokalen Telefonanbietern amüsiert. Denn, wenn wir als Kinder des 21. Jahrhunderts nun mal auf etwas gar nicht mehr verzichten können, dann auf Internet - in Australien WI-FI genannt! Auch in unserer zukünftigen Wohnung nicht, da hilft auch kein Meer um die Ecke! ;-)

Und genau da ist das Problem: WI-FI hat unser neuer Vermieter nicht vorgesehen, da müssen wir uns selbst drum kümmern. Wir werden in unserer neuen Wohnung vermutlich aber nur gut drei Monate wohnen. Das aber wiederum hat die australische Telekommunikationsmafia nicht vorgesehen. Die bietet nur 24-Monatsverträge zu $55 den Monat an (günstigstes Angebot nur für Internet ohne Telefon!) und zwar mehr oder weniger unkündbar und auch nicht wirklich zu einer anderen Adresse transferierbar.

Wie wir das lösen werden? Keine Ahnung. Steht demnächst hoffentlich auf unserer Homepage, da werden wir dann mal nachsehen. ;-)

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Kommentare: 4
  • #1

    S (Dienstag, 02 Juli 2013 16:18)

    Was wäre mit einem Prepaid UMTS Stick?

  • #2

    Heike (Mittwoch, 03 Juli 2013 19:15)

    Hallo S.,

    danke für den Tipp! Das haben wir auch in Betracht gezogen. Allerdings rechnet sich das auch nicht wirklich, wenn man zwei Sticks für zwei Rechner benötigt und wir sicherlich einige GB pro Monat allein für skypen verbrauchen...

    Viele Grüße,
    Heike

  • #3

    Katie (Montag, 15 Juli 2013 21:50)

    Hallo Ihr 2,

    wollte mal fix hören, ob Umzug und Anschluss an die Online-Welt da draussen gut geklappt hat?!

    Ganz liebe Grüsse
    Katie

  • #4

    Heike (Samstag, 20 Juli 2013 07:05)

    Hallo Katie,

    wir sind in der Zwischenzeit ziemlich problemlos umgezogen und haben jetzt auch sogar schon - ganz unerwartet - Internet in unserer Wohnung. Zwar mit teurem 24-monatigem Knebelvertrag, aber das war immer noch die beste Lösung...

    Liebe Grüße,
    Heike