In der Werribee Gorge

Frühstück am West Beach von St.Kilda
Frühstück am West Beach von St.Kilda

Ausruhen war gestern! Wir sind noch jung, wir lassen es krachen!

Genau das haben wir uns gedacht als ich vor einigen Wochen an einem Samstagmorgen von meinem x-ten Trip nach Nigeria zurückkehrte. Während 21 Stunden Nettoflugzeit (Abuja-Dubai-Singapur-Melbourne) war schließlich reichlich Zeit zum Ausruhen! Daher nach dem obligatorischen Ebola-Quarantäne-Check am Flughafen nur kurz zu Hause vorbei und Heike aufgeweckt und eingepackt und dann direkt weiter zum Strand, wo Dorothée, Jens und der Rest des XING- oder mittlerweile Melbourne NOW-Clubs (siehe Alltag in Sicht) im Beach-Pavillon schon mit dem Frühstück auf uns warteten.

Dort ein bisschen gequatscht, ein bisschen geschlemmt und danach schön ans Meer in die Sonne gehauen und mal geschaut, was der Tag sonst noch so bringt.

So soll es sein! Das ist Australien! Life is a beach! :-)

Und der Tag brachte...
Und der Tag brachte...

Und wie so oft, wenn man den Dingen einfach mal so ihren Lauf lässt, brachte der Tag! Und zwar reichlich, diesmal in Form von Carley und Ricardo, die die Frühlingssonne aus ihrem 40-Stock Wolkenkratzer in South Melbourne gescheucht und zufälligerweise direkt zu uns an den Strand von St. Kilda West getrieben hatte. Prima! Da quatscht man doch am besten gleich ein paar Stündchen weiter... Achja, und wo wir schon dabei sind, geschlemmt hatten wir ja auch schon länger nicht mehr. Warum also nicht noch kurz auf die Acland Street und testen wie die Burger dort so sind?

Gesagt, getan! Unser Fazit: Die Burger sind gut, die Nachos sind besser!

Mit dem Einsetzen der Dämmerung setzte schließlich mein Jetlag ein. Mit kleinen Augen noch kurz Carley und Ricardo verabschiedet und ab nach Hause ins warme Bettchen, schließlich wartete ein weiterer großer Tag auf uns...

Am Needles Beach
Am Needles Beach

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich solide wie vom Bus überfahren. Half aber nichts, denn es war klar, dass gleich Nicky vor der Tür stehen würde. Schließlich hatten wir mit ihm für den Sonntag einen Treck im Werribee Gorge National Park geplant.

Und mit Nicky, da kann man sich keinen Durchhänger erlauben! Nicky, der hat gemeinsam mit seiner Dori schon zu Fuß das Arnhem Land im Northern Territory durchquert! Nicky, der läuft regelmäßig bei Querfeldeinrennen mit! Nicky, der wäre einmal fast auf einer Expedition im Dschungel von Sumatra ums Leben gekommen – weil Dori ihn erschlagen wollte, als er darauf bestanden hatte mit dem geliehenen Motorroller einen alternativen Rückweg zum Hotel zu nehmen und das Ganze in einer Nacht in einem Kuhstall endete...

Also, Zähne zusammenbeißen und auf in den unberührten australischen Busch! Allerdings nur knapp sechs Quadratkilometer davon, größer ist der Werrribee Gorge National Park nämlich nicht. Aber dafür haben es die sechse ganz schön in sich und zwar jeder einzelne davon! ;-)

 

Am Ausgangspunkt unserer Wanderung angekommen wurde sich zunächst für die anstehende Wanderung ausgerüstet: Heike und ich packten unsere Käse- und Nutella-Brote zusammen, Nicky dagegen brauchte lediglich das entsprechende Jagdequipment für den Tag. Zunächst beäugte er liebevoll seinen mitgebrachten Speer, entschied sich dann aber doch für die Frisbee.

Nach einer knappen halbe Stunde öffnete sich unser Weg zum Tal hin und bot einen wunderbaren Blick über die umliegenden Hügel. Zeit, dass Nicky uns das Geheimnis seiner Frisbee und das Prinzip von Frisbee-Golf enthüllte. Das funktioniert ungefähr so: man sucht sich einen markanten Punkt in der Gegend aus, z.B. den Berg dort drüben, und schon geht’s los! Die Frisbee beherzt ins Tal geschleudert und dann quer durch den Busch hinterher für den nächsten Wurf...

Ehrlich??? Ehrlich! Also zumindest in der Theorie, aber vielleicht doch nicht hier... Der Berg da gegenüber ist nämlich ungefähr so ein Par 27 und wir wollten ja heute noch wieder zurück...

Schweren Herzens ging es weiter, aber bei der nächsten Klippe gab es endgültig kein Halten mehr: Nicky präsentierte einen gelungenen Wurf, der noch kurz die Spitze eines abgestorbenen Baums wegrasierte und sich dann wunderschön zum Fluss hinunter senkte. Die Scheibe landete direkt neben unserem Wanderweg - an einer Stelle, die wir voraussichtlich in gut drei Stunden erreichen würden... Also, bloß keine Eile. ;-)

Beim folgenden Abstieg verstiegen wir uns sehr zu unserem Vergnügen zum ersten Mal an diesem Tag. Der Weg durch das kleine, trockene Bachbett, den wir nahmen, kam uns noch durchaus sinnvoll vor. Als wir allerdings unten angekommen nach einer geeigneten Stelle zur Überquerung des Werribee-Flusses suchten wurde uns irgendwann klar, dass da was nicht stimmen konnte... Aber gar kein Problem: die Route über den Fluss, die wir schließlich nahmen, entpuppte sich als definitiv spektakulärer und lustiger als die normalerweise vorgesehene. Und so erklärten wir das Ganze, also erst Verlaufen und dann auf spektakulärem Weg zurück zur Normalroute, direkt zum Prinzip für den Rest des Tages. Allerdings natürlich völlig unbewusst versteht sich.

Als wir das gegenüberliegende Flussufer trockenen Fußes erreicht hatten kam mir der Gedanke, den ich auch umgehend laut artikulierte, dass jetzt doch ein ganz wunderbarer Zeitpunkt für ein erstes Käsebrot wäre. Genauso umgehend klärte mich Heike darüber auf, dass das hier noch nicht unser Picknickplatz war. Also würde dieser Gedanke für die nächsten ein, zwei Stunden mein ständiger Begleiter werden. Und nicht nur meiner, dafür trug ich sorge! ;-)

Der wunderbare Weg zog sich weiter mal über Felsen, mal an Seen entlang und immer wieder gab es beeindruckende Blicke auf die umliegende Natur – teils der Busch innerhalb des Nationalparks und teils die Wiesen außerhalb.

Als wir schließlich den Needles Beach erreichten, unseren eigentlichen Picknickplatz, war das erste Käsebrot schon längst verspeist. Das hatten wir beim Wandern erledigt. Was gut war, denn in der Nähe des Needles Beach war ja die Frisbee gelandet und die wollte noch gesucht werden. Zu unserem großen Erstaunen fanden wir sie tatsächlich nach knapp 20 Minuten zwischen Büschen und Sträuchern auch wieder.

 

Zwei Nutella-Brote, diverse Pfefferminzkekse und ein erfrischendes Fußbad später machten wir uns auf zum letzten Abschnitt unserer Wanderung, der spektakulär zu werden versprach. Schließlich verkündete uns unser Wanderführer großmundig, dass wir Teile des Felskletter-Abstiegs nehmen würden!

Also, noch kurz den Sitz der Stegeisen überprüft und dann ging es auch schon wieder los. Zunächst wollte der Fluss erneut überquert werden und diesmal gaben wir uns größte Mühe, den im Wanderführer beschriebenen Weg zu finden, was uns nach etwas suchen auch gelang. Zumindest zunächst, bis wir uns ein paar hundert Meter später mal wieder verliefen... Aber mal ehrlich, diesmal konnten wir echt nichts dafür! Wo ist denn bitte schon der große Unterschied zwischen an der Ironbark Gorge abbiegen oder in die Ironbark Gorge einbiegen??? (Frei übersetzt natürlich, unser Wanderführer ist logischerweise auf Englisch.) Und es sah auch wie ein offizieller Weg aus! Ehrlich! Zumindest am Anfang und wenn man sich auf den Felskletter-Abstieg eingestellt hatte. Und später war es dann irgendwie auch zu spät um nochmal umzukehren...

 

Wie auch immer, Verlaufen ist Verlaufen, hilft ja nichts! Daher wanderten wir schlichtweg quer durch die Natur weiter und genossen die wunderbare Landschaft... Als plötzlich ein lauter Schrei die Stille durchschnitt!!!

Nicky und ich drehten uns um und sahen: Heike! Augen in Auge mit einer todbringenden Tigersnake!

Nicky, als erfahrener Buschmann, reagierte am schnellsten – und rief Kamera! Heike, vom Schock bereits erholt, war dann doch eher Auge auf flüchtenden Schlangenschwanz als Auge in Auge, reichte sie ihm auch augenblicklich rüber. Dann allerdings erwies sich Nicky als doch nicht ganz so erfahren: den Schnappschuss versägte er total und die Tigersnake, auf die Heike fast getreten wäre, entkam ungeknipst im hohen Gras...

Egal, ein tolles Erlebnis war es allemal!

 

Gut 10 Minuten später erreichten wir mehr oder weniger zufällig dann tatsächlich sogar den offiziellen Wanderweg wieder, womit unser Wochenende fast vorbei war. Aber nur fast, denn wenn ein Speer in einer Geschichte vorkommt, dann muss er schließlich auch geworfen werden! Das erledigten Nicky und ich noch kurz vor der Ankunft in St. Kilda bei einem Abstecher in den Albert Park.

 

Fazit: Momentan sind Wombats und Kängurus wohl noch ziemlich sicher vor uns... Und in den Werribee Gorge National Park, da fahren auf jeden Fall nochmal hin!

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Kommentare: 2
  • #1

    Ingeborg (Mittwoch, 19 November 2014 14:57)

    Hallo Holger,
    ich bin froh, dass ihr die Werribee Gorge samt Tigersnake überstanden habt und tatsächlich den Heimweg antreten konntet!!
    Lass es dir gut gehen. Ingeborg

  • #2

    Jenni (Sonntag, 25 Januar 2015 01:16)

    Hallo ihr zwei,
    es ist immer wieder toll auf eurer Homepage zu stöbern und zu schauen, was ihr am anderen Ende der Welt so macht!
    Viele liebe Grüße!!!