Melbourne extreme!

Kuck mal, wer da pennt!
Kuck mal, wer da pennt!

Was wir natürlich schon lange wussten und ja auch mehr oder weniger pausenlos auf unserer Website propagieren: Melbourne ist eine Reise wert! Was ebenfalls kein Geheimnis ist: das Umland ist genauso großartig, gibt es dort, um nur einige Highlights zu nennen, im Westen die Great Ocean Road, im Süden Phillip Island und im Nordosten Healesville im Yarra Valley.

Was wir allerdings noch nicht probiert hatten: kann man, wenn man es mal wirklich darauf anlegt, all diese Highlights auch in ein einziges (ok, zugegeben: langes) Wochenende packen? Als eine Art „Melbourne extreme“? Wir haben einen entsprechenden Selbstversuch gestartet und die Antwort ist: Ja, klar! Man kann! ;-)

Anlass für diesen Selbstversuch war der Besuch von Heikes Eltern. Die waren nämlich (nach australischen Maßstäben) in der Gegend (d.h. Südostasien, was ja nur einen lächerlichen 9½-Stundenflug entfernt ist) und haben im Anschluss an ihre Reise noch einen kleinen (10 Tage) Abstecher nach Melbourne gemacht.

Der Haken an der Sache: wie wir ja ab und an zwischen den Zeilen anklingen lassen, muss man dummerweise auch in Australien für seinen Lebensunterhalt arbeiten. :-( Kombiniert mit den gemein wenigen Urlaubstagen, die einem hierzulande zugestanden werden, bedeutet das im Klartext, dass Ingeborg und Wolfgang St. Kilda und Melbourne unter der Woche im Wesentlichen erstmal allein unsicher gemacht haben und wir dann genau ein Wochenende Zeit hatten um es richtig krachen zu lassen.

 

Also: bitte jetzt alle anschnallen und los geht die wilde Hatz!

Abends am Yarra River
Abends am Yarra River

Fangen wir an am Freitagabend nach getaner Arbeit und machen uns auf in Richtung Melbourne CBD.

Die Idee, zu diesem Zwecke auf das Automobil zu setzen entpuppt sich relativ schnell als mäßig genial, denn ob man den Melbourner Feierabendverkehr unbedingt zu den absoluten Highlights hier zählen muss, das ist in der Tat diskussionsbedürftig. Dafür kann aber schon die Auswahl unseres Parkplatzes bereits mit gutem Gewissen als absoluter Volltreffer bezeichnet werden, schließlich stehen wir direkt unter dem Eureka Tower und verdrehen uns beim Verlassen der Tiefgarage erstmal die Hälse, um einen Blick auf die Spitze von Melbournes höchstem Wolkenkratzer zu erhaschen. Keine drei Gehminuten später sind wir dann auch schon mitten in der berühmten Melbourner Kleinkunstszene, die sich entlang des südlichen Ufers des Yarras tummelt und haben die Wahl, uns ein wenig von Zauberern, Malern, Artisten, Musikern oder sonstigem teils mehr teils weniger begabten Schaustellern erfreuen zu lassen.

Bei der Suche nach einem Restaurant für das Dinner müssen dann unbedingt drei Kriterien im Auge behalten werden: 1. Was steht auf der Speisekarte, 2. Wo hat man den besten Blick auf den Yarra und 3. Welcher der unzähligen Bands möchte man beim Essen lauschen? Da die Priorisierung natürlich jedem selbst überlassen bleibt, ist es gar nicht so einfach zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. ;-)

Im Anschluss an ein letztes Glas Rotwein steht das Ufer des Yarras dann plötzlich in Flammen. Nein, keine Halluzination auf Grund übermäßigen Alkoholgenusses, sondern ganz reale Feuerspuckersäulen, die jeweils für einige Sekunden und im Takt den Abendhimmel vor der wunderbaren Melbourner Skyline erleuchten.

Pinguinalarm
Pinguinalarm

Der Samstagmorgen starten wir mit einem European Breakfast in unserer Wohn- und Essküche, bevor wir uns auf den Weg nach Phillip Island machen.

Gute zwei Autostunden später geht es vorbei an der Schokoladenfabrik, die wir auf Grund unseres straffen Zeitplans standhaften ignorieren. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang, wo gerade Windsurfmeisterschaften in vollem Gange sind, heißt es erstmal einen Platz mit Ausblick für ein gemütliches Picknick zu finden.

Frisch gestärkt geht es dann zu den (auf jeden Fall nach Ingeborgs Meinung) absoluten Stars der australischen Wildlife-Szene: den Koalas! Was auch immer man über Koalas denken mag, eines muss man ihnen definitiv lassen: sie haben die Kunst absolut perfektioniert, wie man durch konsequente Minimierung der Erwartungshaltung beim Publikum schon mit allergeringstem Aufwand ungeahnte Begeisterungsstürme entfachen kann! Selbst das Strecken eines Füsschens, vermutlich auf Grund eines Wadenkrampfes, weil sich die Astgabel nach 21 Stunden Nachtruhe doch ein wenig hart anfühlt, wird von den Anwesenden Besuchern wohlwollend zur Kenntnis genommen. ;-)

Nach soviel Action haben auch wir uns erstmal wieder eine Pause verdient. Im Hauptörtchen der Insel, dem niedlichen Cowes, stoßen wir auf eine Puppenstube, in der „Insanely Good Coffee“ angeboten wird. Für mich ein absoluter Kandidat für unser Toppliste Café-to-Stay!

Soweit so sehr gut und das, obwohl die Hauptattraktion von Phillip Island ja erst noch ansteht: die Pinguinparade! Trotz der späten Jahreszeit - die Pinguine kehren vor allem während der Brutpflegezeit regelmäßig zu ihren Nestern zurück und die endet im Februar/März - herrscht bei Einbruch der Dunkelheit Hochbetrieb am Strand! Die größte Pinguingruppe, die wir je gesehen haben, bestimmt über 100 der schrägen Vögel, sammeln sich in der Brandung und brauchen geschätzte 27 Anläufe bis sie den Mut aufbringen in Richtung Nester zu watscheln. Fotografieren ist wie üblich (und verständlicherweise) untersagt, daher obliegt es eurer Phantasie, sich dieses Spektakel vorzustellen.

Der Klassiker schlechthin...
Der Klassiker schlechthin...

Für den Sonntag stehen mit der berühmtesten Straße, der Great Ocean Road, und den vielleicht berühmtesten Einwohnern von Victoria, den Twelve Apostels, gleich zwei absolute Highlights auf dem Programm. Da heißt es erstens früh aufstehen, was schon mal gründlich misslingt (Asche über unsere Häupter), und zweitens (wie so oft) priorisieren: wir versuchen es diesmal gegen den Uhrzeigersinn, d.h. erst durchs Innland auf dem schnellsten Weg zu den Aposteln, um dort viel Zeit zu haben, und dann gemütlich am Meer entlang zurück nach Melbourne.

Teil 1 des Plans klappt hervorragend: wunderbarer Sonnenschein an den Aposteln und genug Ruhe, um auch drumherum noch einige der anderen und nicht weniger eindrucksvollen Gesteinsformationen an der viktorianischen Sandsteinküste zu bewundern.

Bei Teil 2 müssen wir allerdings leider ein paar eindeutige Schönheitsfehler, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, an unserem Plan feststellen. Vor allem: die Great Ocean Road bietet bei der Fahrt von Ost nach West eindeutig die eindrucksvolleren Blicke als in der Gegenrichtung. Macht nichts, es gibt ja immer wieder Haltebuchten, von denen aus man dann zurückblicken kann.

In Lorne wartete ein Restaurant auf uns, ebenfalls mit Meerblick und dazu riesigen Portionen auf unseren Tellern!

Aber danach, tja, da ist uns denn irgendwie das Licht ausgegangen: Sonne weg und Great Ocean Road im Dunkeln… Hmm, auch eine Erfahrung, aber beim nächsten Mal sollten wir diesen Programmpunkt dann vielleicht doch auf zwei Tage strecken. ;-)

Im Healesville Sanctuary
Im Healesville Sanctuary

Der folgende Montag ist der Labour Day in Victoria, also der Tag der Arbeit an dem logischerweise nicht gearbeitet wird. Hmm, wenn ich das so schreibe klingt es zwar nicht logisch, aber wen stört das schon? Hauptsache frei!

Zum Abschluss unseres „extreme“ Wochenendes hatten wir uns ein bisschen was Entspannenderes vorgenommen: ins (relativ) nahe gelegene Yarra Valley zu fahren und dort den Tierpark, das Healesville Sanctuary, zu besuchen und dann den Tag in einer der vielen Winerys ausklingen zu lassen.

Das Erste, was wir bei der Ankunft direkt mal feststellen können: so groß ist Australien nun auch wider nicht! Am Eingang des Sanctuarys steht nämlich Jens fröhlich winkend, der gemeinsam mit Dorothée ihren derzeitigen Besucher aus Deutschland zufälligerweise zeitgleich nach Healsville ausgeführt hat.

Das Zweite: ab sofort geht für Ingeborg nichts mehr über Koalas! Hatten wir nach dem Besuch von Phillip Island vielleicht gedacht, dass ihr Koala-Bedarf vorerst gedeckt wäre, so liegen wir gründlich falsch! Tasmanische Teufel, Kängurus, Dingos, Raubvögel und Papageien: nein, nichts davon kann in ihrer Gunst mit den Koalas auch nur annährend mithalten, die verpennt an ein paar Eukalyptus-Blättern knabbern!

Außer vielleicht: der Rotwein! Aber nur wenn es nach Wolfgang und mir geht. Nachdem die Koalas fertig gefuttert und wir auch dem Rest der australischen Fauna einen Besuch abgestattet haben, machen wir uns auf, um uns den kulinarischen Genüssen des Yarra Valleys zu widmen. Und da werden wir in der Oakridge Winery in keinster Weise enttäuscht! Wärmende Sonne, ein wunderbarer Blick über die Weinberge und ein schönes Glas Rotwein: genau so hatten wir uns den Abschluss des Wochenendes vorgestellt!

Kommentare: 2
  • #2

    Mücke (Donnerstag, 03 April 2014 15:00)

    Holger der eifrige Literat - wieder so gut geschrieben!

    Ingeborg - Du siehst unverändert gut aus und der Moustache von Wolfgang deckt sich mit meiner Haarfarbe offensichtlich - was ihm auch sehr gut steht, aber das schönste Foto ist das der strahlenden Gastgeber!
    Ist es nicht grossarig wenn wir in so fernen Ländern den Alltag unserer Kinder erleben können - und die Kinder uns so wunderbar aufnehmen?
    In diesem Sinne - un abrazo aus Andalusien:-)))))

  • #1

    Ingeborg Schneider (Mittwoch, 02 April 2014 14:26)

    Wir hatten eine tolle Zeit mit euch!!
    Der Bericht ist wunderbar. Er lässt alles noch einmal lebendig werden. Die Fotos sind das i-Tüpfelchen: die Twelve Apostles und insbesondere meine Lieblinge - die Koalas.