Mum and Dad measure the world

Cape Schanck
Cape Schanck

Der ein oder andere hat sich vielleicht schon mal die Frage gestellt, in welchem Alter man eigentlich die Welt vermessen kann. Antwort: Na klar, in jedem! Man muss sich nur auf den Weg machen!

Ok, zugegeben, ganz so einfach mit mal auf den Weg machen ist es natürlich nicht immer... Für Mama und Papa war eine Reise nach Australien nun alles andere als ein kleines Unterfangen, sondern ein Monster-Abenteuer und wurde entsprechend mit ein wenig Nervosität angegangen. Aber aller berechtigter Sorgen zum Trotz bleibt auch bei dieser Reise im Nachhinein doch nur ein unbestreitbares Fazit: Gut, sich auf den Weg gemacht  zu haben!

 

ABER STOPP! Was' denn hier los? Zweiter Absatz und ich bin schon beim Fazit? Das geht ja ein bisschen schnell! Also zurück und nochmal ganz von vorn...

 

Zwischen Deutschland und Australien, da führt kein Weg dran vorbei, zumindest kein schnellerer, liegen etwa 20 Flugstunden. Eine große Hürde direkt zum Start einer Australienreise; ein Sprung ins oder vielmehr übers kalte Wasser und zwar ohne viel Aufwärmen!

Langstreckenflüge, das ist nämlich eines von den Dingen, die man entweder liebt oder hasst. Gleichgültig steht denen eigentlich niemand gegenüber. 20 Stunden also... Reichlich Zeit, um sich zu überlegen, zu welcher Fraktion der Fraktionen man gehört.

Zunächst der kurze Hüpfer: sieben Stunden von Düsseldorf nach Dubai. Ein bisschen Warmsitzen und eine erste Erkenntnis: die Vorteile von Gangplätzen, die werden in der Regel mal übel überschätzt! Ja, man kann aufstehen ohne jemanden Fragen zu müssen, aber mehr Bequemlichkeit, weil man mal ein Bein rausstrecken kann, das ist ein Gerücht! Tatsächlich ist es vielmehr so, dass selbst wenn man mit eng angelegten Armen und angehaltener Luft in seinem Sitzchen sitzt, man am Gang in gut getimten Abständen immer wieder entweder von freundlichen Stewardessen, die ihre leicht überdimensionierten Wagen durch die Gänge schieben, oder sich höflich entschuldigenden Fluggästen, die eine kleine Turbulenz aus dem Gleichgewicht geworfen hat, zärtlich an Schulter und Bein getätschelt. Fürs Schlafen ist das wenig förderlich und die Idee ein Harakiri-Manöver wie ein ausgestrecktes Bein zu wagen, die verwirft man mal ganz schnell wieder.

Aber die richtige Herausforderung, die kommt ja sowieso erst noch: nach kurzem Zwischengewimmel am Flughafen von Dubai 13 bange Stunden bis Melbourne... 13 Stunden... 13...

 

Aber keine Panik und ein doppeltes Hurra: die Langstreckenflugliebhaber können Zuwachs verzeichnen! Mama wird später erzählen, dass sie so damit beschäftigt war die Atmosphäre im Flieger zu genießen, dass sie nicht mal Zeit hatte sich einen der unzähligen Filme aus dem Bordprogramm rauszusuchen. Und Papa hat es im Angebot der britischen Top 1-Lieder gerade mal aus den Fünfzigern bis so ungefähr in die Siebziger geschafft als auch schon wieder zur Landung angesetzt wurde! (Hallo Papa, du kannst mich bezüglich der Jahresangaben gerne im Kommentar-Feld unten korrigieren...) ;-)

 

Erste Hürde also problemlos gemeistert! Nach dem Flug noch kurz eine kleine Revanche am Sohn (also an mir, schließlich hatte ich bei meinem letzten Deutschlandbesuch doch gemeinerweise mein Gepäck verloren gehen und meine Eltern zunehmend verzweifelt in der Ankunftshalle warten lassen) und die eigenen Koffer als letztes aus dem Flieger laden lassen, damit man auch ja als letzter aus dem Sicherheitsbereich kommt und dann (Trommelwirbel): Australien!

Soooo weit weg von zu Hause, auf der anderen Seite der Welt, das muss erstmal einer nachmachen! Eine ganze große neue Welt zum Vermessen!

 

Vorbei am nächtliche CBD von Melbourne ging es weiter zur Wohnung, wo Heike und Begrüßungssekt schon ungeduldig warteten. Direkt an der quirligen Acland Street und nahe zum Strand. Allerdings mit, und das war der kleine Haken, Queensize-Bett. Und so eine Königin, die braucht nur 1,50 m zu Schlafen... Dafür aber natürlich eine ultragemütliche Matratze! Laut Mama und Papa fast so gut wie ein Wasserbett, so dass sich der Jetlag doch einigermaßen gut auskurieren lassen sollte. Dann schlaft mal gut, am Wochenende geht es nämlich richtig los!

 

Zumindest wenn es nach Plan gegangen wäre. Allerdings sind wir ja in Australien, wo es bekanntermaßen weniger planen und mehr „No worries!“ heißt. Papa hatte die lange Reise doch ein wenig zu schaffen gemacht und er brauchte noch einen Ruhetag auf unserem Sofa. Also eine reine Frauenrunde bei der ersten Melbourne-Erkundung, für mich ein wenig Sonne tanken auf dem Balkon und für alle um so mehr freuen auf den Sonntag: Mornington-Peninsula mit Cape Schanck und Point Napean!

Mama war dank ausgiebiger Lektüre von „Frühstück mit Känguruhs“ bestens vorbereitet und klärte uns am entsprechenden Strand über Zeit und Umstände des Ertrinkens des ehemaligen australischen Premiers Harold Holt auf.

Als kleiner Höhepunkt eines wunderbaren Tages noch ein todesmutiger Blick in die kalten Augen des Todes: unsere altbekannte australische Tiger Snake macht es zwar locker in die Top 10 der giftigsten Schlangen der Erde, sieht aber aus der Nähe irgendwie gar nicht so bedrohlich aus, wie man sich das vorgestellt hatte. Und seit unserem Artikel macht sich vor der ja eh keiner mehr in die Hosen. ;-) Mehr erzählen die Fotos...

In den folgenden Wochen zeigte sich Melbourne von seiner eher wechselhaften Seite, zumindest was das Wetter angeht. Sonne, Wind, Regen, Hitze, Wolken und natürlich der berühmte Cool Change... Selten das man hier einen ganzen Tag nur mit einem dieser Worte beschreiben kann. Da Heike und ich arbeiten mussten, erforschten Mama und Papa viel auf eigene Faust und berichteten uns bei unseren allabendlichen Besuchen. Vieles davon hatten wir selbst noch nicht gesehen oder gemacht: die Bootsfahrt von Southgate rüber nach Williamstown, die Aussicht vom Eureka-Tower, Melbourne und Immigration Museum, das alles steht noch auf unserer To Do-Liste.

Und für zwischendurch braucht in Melbourne natürlich jeder sein Lieblingscafé. Mama und Papa haben ausgiebig getestet und sich direkt in mehrere verguckt: den besten Cappuccino gibt es im Le Bon auf der Acland Street, den besten Brownie, warm und innen noch flüssig (Yummy!), im Little Blue am Ende des St. Kilda Piers und die schönste Aussicht hat man vom Bathers Pavilion am West Beach von St. Kilda. Papas Kommentar „Schön hier!“ kann man wohl getrost als den ultimativen Ritterschlag betrachten. ;-)    

Great Ocean Road
Great Ocean Road

Für das nächste Wochenende stand dann bereits der Höhepunkt einer jeden Melbourne-Reise an: die Great Ocean Road! Frage: Wie weit schafft man es an einem Tag von Melbourne aus auf der Great Ocean Road? Antwort: Eigentlich nicht weit genug! Also zur Abwechslung mal Great Ocean Road in zwei Tagen mit Übernachtung in Port Campbell! Da ist dann extra viel Zeit für ein bisschen Wandern am Split Point Lighthouse und für Frühstück am Fairhaven Beach. Es ist Zeit für Koalas und Kookaburras am Kennett River und es ist natürlich extra viel Zeit für die Twelve Apostles. Ach ja, wir haben mal wieder gezählt. Viel mehr als fünf sind es übrigens nur mit gutem Willen. ;-)

Wofür erstaunlicherweise fast keine Zeit mehr blieb, das war das Abendessen. Dass drei der vier Restaurants in Port Campbell Samstagabends um halb neun, schon geschlossen haben würden, damit hatten wir irgendwie nicht gerechnet. Dann eben Pizza als Stärkung für den zweiten Tag, an dem es die Great Ocean Road noch ein gutes Stück weiter nach Westen ging und zwar weiter als ich je zuvor gekommen bin. Was eine Schande ist! Denn London Bridge, The Grotto und Bay of Islands sind nicht minderschön als die Twelve Apostles!    

Glühender Goldbarren
Glühender Goldbarren

Ein Klassiker und mal ganz was Neues standen für Wochenende drei auf dem Programm. Das Healesville Sanctuary lockte mal wieder mit australischer Fauna und das umliegende Yarra Valley mit australischem Wein und andern Köstlichkeiten. Für letztere waren wir aber natürlich mal wieder zu spät dran. Kann mich einfach nicht damit abfinden, dass in den Wineries nach drei Uhr die Küchen geschlossen sind und nur saufen, das ist ja auch blöd. Zumindest wenn man der Fahrer ist... ;-)

69 kg oder wahlweise 160.000 AU$ das waren die Zahlen des Sonntagsauflugs in die Goldgräberstadt Ballarat. Ersteres ist das Gewicht des größten Goldnuggets, das je dort gefunden wurde, letzteres der Wert des Goldbarren, der in Sovereign Hill vor unseren Augen gegossen wurde. Wow!

Hatte ehrlich gesagt vorher keine Vorstellung, welche Bedeutung der Goldrausch für die Entwicklung Victorias hatte.

Happy Birthday!
Happy Birthday!

Vor dem letzten langen Wochenende hieß es am 28. Oktober erst nochmal „Happy Birthday, Mom!“. Mit Aussicht auf die Bay versteht sich, wozu wohnt man denn in Melbourne?

Aber dann stellte sich auch schon die bange Frage: Welches ist wohl der beste Tag für Phillip Island? Denn das wollte definitiv noch besucht werden! Wer kann sich schließlich schon dem Charme der Little Blue Penguins entziehen?

Samstag schon mal nicht, einen regnerischen Tag beginnt man besser mit einem gemütlichen Frühstück im Hannah und schlendert danach durch Melbournes Archways und Lanes. Also Sonntag vielleicht? Nee, immer noch Regen angesagt, also lieber in den Dandenongs ein bisschen rumkurven und die Aussicht auf Melbourne genießen. Und Montag? Ok, Wetter passt, aber Heike muss arbeiten und wir wollten ja alle zusammen dort hin. Außerdem hatten wir uns die Brigthoner Bathing Boxes noch gar nicht angeschaut und danach ein bisschen gemütlich an der Bay spazieren, damit kriegt man einen Tag ja auch locker voll. Dienstag also, letzte Chance und dann aber auch richtig. Erstmal ein fettes Frühstück am Meer und den Surfer zuschauen. Dann Koalas beim Schlafen zuschauen und nach Kängurus mit Joey im Beutel Ausschau halten. Zwischendurch viel Wind und noch mehr Möwen, eine leckere Pizza gegen den Hunger und schließlich und endlich natürlich: den kleinen Pinguinen zuschauen, wie sie sich unermüdlich nach Sonnenuntergang auf den Weg nach Hause machen, aller Gefahren zum Trotz über Strand, Stock und Stein.

Wie jeden Abend haben sie es auch an diesem wieder souverän gemeistert. Und damit stand auch für Mama und Papa der Heimweg einmal rund um die halbe Welt an...

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Kommentare: 1
  • #1

    Carl-Friedrich Krumm (Sonntag, 08 Februar 2015 11:39)

    Hi Holger, vielen Dank für Deine trefflichen und treffenden Anmerkungen zu unserem Besuch. Deiner Jahresangabe bzgl. der Nr. 1 - Hits kann ich nur zustimmen, denn bei der Vielzahl dieser Hits (ca. 15-20 pro Jahr) kann man während der Flugzeit nicht viel mehr als zwei Jahrzehnte abhören. Vielen Dank auch nochmals für das von Euch so engagiert und interessant gestaltete Besuchsprogramm. Deine Eltern