Great Ocean Walk

Hier geht es lang zum Great Ocean Walk
Hier geht es lang zum Great Ocean Walk

Great Ocean Road? Schon wieder?

 

Was heißt hier schon wieder? Zur Great Ocean Road kann man eigentlich überhaupt nicht oft genug fahren!

Und außerdem, bitte mal aufs Detail geachtet! Diesmal geht es um den Great Ocean Walk und nicht im die Great Ocean Road! Und dass das ein feiner Unterschied ist, davon haben wir uns selbst überzeugt!

 

Der Great Ocean Walk geht von Apollo Bay bis zu den Twelve Apostles, führt durch den Busch am Cape Otway und schlängelt sich danach die Steilküste entlang.

Acht Tage dauert das ganze, mit Etappen zwischen 10 und 18 Kilometern und immer schön von Ost nach West. Von West nach Ost geht nicht, denn in der Reihenfolg lässt einen Parks Victoria die Campingplätze nicht buchen... Wirklich wahr!

Das Brummen der Autos auf der Great Ocean Road hat man auf dem Great Ocean Walk übrigens in keinster Weise die ganze Zeit im Hintergrund, auch wenn man das vielleicht fälschlicherweise denken könnte. Denn bei Apollo Bay zweigt die Great Ocean Road, obwohl ihr Name es nicht unbedingt vermuten lässt, ins Landesinnere ab und trifft danach nur noch sehr vereinzelt direkt aufs Meer.

 

Vier Tage über Ostern hatten wir Zeit zum Wandern. Zu wenig natürlich für den ganzen Weg, aber zumindest fünf und nicht nur schlappe vier Etappen, die sollten doch drin sein! Das dachten wir auf jeden Fall zunächst, denn 10 km, die hüpft man ja schließlich auf einem Bein rückwärts.

Dori und Nicky sahen das allerdings etwas anders und so haben wir uns überzeugen lassen (schließlich sind die beiden die erfahreneren Buschwanderer) und doch für die konservativere Vier-Etappen-Variante entschieden - zu meinem Glück! Denn, so habe ich unter Schmerzen lernen müssen, mit mehr als 20 kg auf dem Rücken, da hüpft es sich plötzlich nicht mehr so gut, vor allem nicht rückwärts...

 

Am Gründonnerstag ging es los, morgens mit dem bereits gepackten Auto erst ein letztes Mal zur Arbeit, aber ein paar Stündchen später war auch schon die große Freiheit Nummer 7 angesagt... Heike kurz an der Metrohaltestelle direkt am Highway aufgelesen, wie immer hatte sie an alles gedacht und sogar ein paar Wegzehrungs-Sushi-Rollen in der Tasche, und dann waren wir auch schon auf dem Weg Richtung Apollo Bay und ein bisschen später im Backpacker-Apartment, das wir für die erste Nacht gemietet hatten. Dori und Nicky ihrerseits hatten noch einen kleinen Shopping-Zwischenstopp eingelegt und kamen so ein wenig nach uns an.

Der Gepäckcheck am Abend, nachdem die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht waren, zeigte erfreulicherweise, dass neben dem Lebensnotwendigsten auch noch ein wenig Platz für ein paar kleine Lebensfreuden in den Rucksäcken war. Also unter anderem eine Flasche Whiskey, geschätzte drei Kilogramm Schokolade und natürlich die Tüte Marshmallows. Frei nach dem Motto: Bloß keine falsche Bescheidenheit, muss ja alles nur getragen werden...

Bei der Flasche Rotwein siegte dann allerdings doch noch die Vernunft und sie wurde leicht geknickt am nächsten Tag schluchzend im Auto zurückgelassen...

Hier beginnt der Great Ocean Walk für uns
Hier beginnt der Great Ocean Walk für uns

Nach dieser letzten Nacht in einem warmen Bett mussten am nächsten Morgen zunächst ein paar logistische Vorbereitungen getroffen werden. Nicky und ich hatten die Aufgabe eines der Autos am Endpunkt unserer Wanderung abzustellen, d.h. gleich nach dem Aufstehen durften wir uns hinters Lenkrad quälen. Aber bloß kein Mitleid, schließlich galt es unsere geliebte Great Ocean Road ein Stück entlang zu fahren! Wie üblich keine Enttäuschung: der Sonnenaufgang über dem Meer war einfach nur grandios, der Koala, der verschlafen am Straßenrand entlangschlurfte, total putzig und der Känguru-Counter stand bei unserer Wiederankunft in Apollo Bay eineinhalb Stunden später bei ungefähr neun.

 

Ja, und dann war es endlich soweit und es ging richtig los!!! Zuerst mal zu einem letzten fetten Frühstück in der Zivilisation ins beste Café von Apollo Bay, Cappuccino und Muffin eingeschlossen! ;-)

Und danach aber zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, wo, Oh Schreck!, sich beim Aussteigen aus dem Auto Nickys Sonnenbrille im Rucksack verhedderte und entzwei brach.

Aber nicht lange gehadert, hilft ja nichts, die Rucksäcke auf den Rücken geschnallt und ab in den Busch!

 

Der Wanderweg machte uns direkt mal klar, dass das hier nichts für Warmduscher werden würde! Die erste Stunde ging es ordentlich bergauf und bergab, wobei zumindest ich nebenbei noch damit beschäftigt war, die optimale Einstellung der diversen Riemen an meinem Rucksack zu finden - eine Tätigkeit, die ich erst an Tag drei zu meiner einigermaßenen Zufriedenheit abgeschlossen haben sollte...

Dafür war die Natur um uns herum grandios, änderte sich mit jeder Kurve und es boten sich tolle Blicke übers blaue Meer. Nur Kängurus liefen uns nach unserer morgendlichen Fahrt die ganzen nächsten vier Tage nicht mehr über den Weg. Die hatten es sich wohl alle direkt an der Great Ocean Road bequem gemacht und trauten sich nicht so weit in die wilde Natur hinein...

Den ersten Koala der Wanderung sichtete Nicky, was ihm nach einer etwas voreilig getroffenen Abmachung das Vorrecht einräumte, am Abend etwas aus seinem Rucksack kochen zu dürfen. Wir anderen drei waren ziemlich geknickt, denn schließlich zählt jedes Gramm auf dem Rücken!

Aber nicht lange gegrämt! Weiter ging es, vorbei an Pilzen, die wir nach längerer Begutachtung und vor allem als sie sich an einer Bruchstelle bläulich verfärbten, als nicht essbar einstuften und einem Spear Tree, sprich einem Baum, aus dem sich doch wunderbar ein Sperr schnitzen lassen würde und den Nicky nur nach viel gutem Zureden von Dori in der Erde beließ.

 

Als wir schließlich am Campingplatz ankamen, hatte sich die Erkenntnis, dass wandern mit Zelt, Schlafsack und Lebensmitteln für vier Tage auf dem Rücken was anderes ist als ohne, tief in unsere Schultern eingeschnitten. Doch der Blick über das Meer und Nickys Camping-Kochkünste ließen nicht viel Zeit für Selbstmitleid. Und spätestens als sich die Marshmallows im Kakao mit Whiskey auflösten und dann noch der Vollmond über dem Meer aufging gab es nun überhaupt keinen Grund mehr sich zu beschweren.

 

Kurz bevor es in die Zelte ging krabbelte noch ein letztes Highlight über unsere Campingplane: die tödliche australische Natur zeigte sich von ihrer niedlichen Seite und schickte uns eine paar Skorpione in Ameisengröße vorbei!

 

Na dann gute Nacht! Schlaft recht schön und träumet süß!    

Eine Sitzastgabel
Eine Sitzastgabel

Einen Morgen in der australischen Wildnis, den beginnt man am besten mit einem erfrischenden Bad im Meer. Und wenn keiner guckt und man ganz alleine ist, dann braucht man dafür nicht mal eine Badehose...

Nicht ganz so frisch war allerdings der arme Nicky. Dem war aus unerklärlichem Grunde über Nacht das Knie angeschwollen und er war sich zunächst gar nicht sicher, ob er an diesem Tag überhaupt würde weiterwandern können. Wie genau er sich da im Zelt mitten in der Nacht das Knie verdreht hat, dazu liefert er allerdings keine befriedigende Erklärung. Er hatte wohl nur so da gelegen...

Naja, erstmal Frühstücken und dann weitersehen. Denn so ein Frühstück, das verhilft manchmal Wunder, vor allem eines mit Tiramisu-Kuchen, schließlich hatten Dori und Nicky ihren ersten Happy Hochzeitstag! 

Happy Hochzeitstag mit Tiramisu-Kuchen
Happy Hochzeitstag mit Tiramisu-Kuchen

Und tatsächlich: keine halbe Stunde später hielt Nickys dickes Knie ihn nicht mehr davon ab, auf einen Baum zu steigen, um einen Koala zu ärgern. Danach hielt sich unser Glaube an seine Wanderunfähigkeit etwas in Grenzen und los ging es zu Etappe zwei!

 

Zunächst durch einen wunderbaren Wald mit noch wunderbareren Aussichtspunkten, vorbei an Astgabeln, die als Sitzgelegenheit einluden, und dann zu einem Fotostopp, als ein weiteres Mal die tödliche australische Tierwelt unseren Weg kreuzte. Aber keine Sorge, erneut mit Niedlichkeitsbonus: eine Brown Snake in Schnürsenkelgröße!

Für Schlangen-Jäger Nicky vermutlich das Highlight der ganzen vier Tagen und mit Sicherheit das einzige Motiv, von dem er mehr Fotos machte als Heike. ;-) Dass er die gute Schlange aber dann unbedingt auch noch anfassen musste, fand nicht nur Heike nicht gut - die Schlange auch nicht...

 

Ein bisschen später zur Mittagpause erreichten wir dann das Paradies für den erschöpften Wanderer: links baden im Meer, rechts baden im Fluss, Sonne und Steinklippen, ein Strand zum Frisbee-Werfen, Kräcker mit Thunfisch und jede Menge Schokolade! Was könnte besser sein?

Allerdings habe ich das vielleicht ein wenig zu viel genossen, denn nach der Mittagspause kommt ja leider noch Teil zwei einer jeden Tagesetappe, und auf der erlebte ich mein persönliches Wander-Waterloo.

Der knappe Kommentar einer meiner Mitwanderer, als ich gefühlte 83 Stunden später schließlich auf allen vieren robbend an unserem Campingplatz ankam, brachte es ziemlich gut auf den Punkt: Tag zwei ist halt immer ein Luschentag!

 

Zwei Lumumba später (gerne auch Granny Killer genannt) war ich aber zumindest wieder soweit bei Kräften, dass ich mich ins Zelt schleppen und im Schlafsack verkriechen konnte.    

Wandern am Meer entlang
Wandern am Meer entlang

Der nächste Tag begann mit dem Besuch des Osterhasen und somit noch mehr Schokolade!!! Mit uns hatte er es besonders gut gemeint und neben Chili-Marmelade sogar Ritter-Sport Schokolade auf seinem Surfboard mitgeschleppt. (Anmerkung: Genau wie der Weihnachtsmann (siehe Merry X-mas) nutzt auch der Osterhase in Australien alternative Fortbewegungsmittel, um zu entlegenen Gegenden wie beispielsweise im Cape Otway Nationalpark zu kommen).

 

Gierig machten wir uns über Schokoeier und das definitiv beste Frühstück auf dem ganzen Campingplatz her – und kamen wie üblich eher später als die meisten anderen los... Aber wen stört das schon, schließlich geht man nicht zu Fuß durch den Busch weil man hetzen will!

Vor allem nicht an einem Tag wie heute, mit gaaanz viel Strand! Für einen Zwischenstopp standen die Rainbow Falls auf dem Programm, allerdings in falscher Richtung zum Endpunkt der Tagesetappe gelegen, so dass wir die Rucksäcke im Sand zurückließen und zur Abwechslung mal ein paar Kilometer unbeschwert wanderten.

Ein wunderbares Fotomotiv, doch was war da los? Heike wollte sich zunächst die letzten paar hundert Meter sparen und mir das Knipsen überlassen! Das kann doch nicht sein? Hat sich Heike dann auch gesagt und machte sich schließlich auf den Weg, als ich bereits zurück war...

Kein Problem, die Wartezeit wurde von allen gut genutzt: Dori schaute übers Meer, ich warf Steine und Nicky stürzte von einer kleinen Klippe ab und brach sich fast den Hals...

 

Zurück bei der allgemeinen Rucksack-Ablagestelle ließen wir kurz ein paar Ostereier für ein paar andere Wanderer zurück, mit denen wir am Abend zuvor am Campingplatz kurz gequatscht hatten und die uns moralisch unterstützen, indem sie als einzige immer erst nach uns loswanderten. Und dann ging es weiter am Meer entlang – sehr zu Doris Leidwesen! Denn: Wandern im Sand? Nichts für Dori!

Trotz des kilometerlangen Strandabschnittes erreichten wir aber erstaunlicherweise den Campingplatz, ein wenig im Landesinneren an einer Flussbiegung gelegen, an diesem Tag ohne nennenswerte Konditionsprobleme. Sogar für ein kurzes Durchschwimmen des eiskalten Flusses vor dem Abendessen war noch genug Energie in den Akkus.

 

Unterm Regenbogen genossen wir danach unser erneut köstliches Abendmahl. Der Geruch des Whiskeys lockte wie bereits am Vorabend den Camper aus dem Nachbarzelt zu uns, einen Schafezüchter aus den Grampiens. Von dem erfuhren wir so manches und sogar, warum der Schafskäse in Australien so teuer und rar ist. Naja, weil hier halt nur Fleisch- und Wollschafe gezüchtet werden... Wer hätt’s gedacht?    

Endlich mal eine Gelegenheit, den Rucksackregenschutz auszuführen...
Endlich mal eine Gelegenheit, den Rucksackregenschutz auszuführen...

An unserem letzten Tag verwandelte sich der Great Ocean Walk in einen Steilküstenpfad. Als wir nach einigen Stunden Wanderns kurzzeitig auf die Great Ocean Road trafen kam so etwas wie Heimatgefühle auf, schließlich hatten wir einen unserer vielbesuchten Lieblingsaussichtspunkte erreicht.

Zur Mittagspause an einer kleinen Holzbank setzte dann der lang erwartete Regen ein – im Vorfeld unserer Wanderung hatten die diversen Wetter-Apps ein extrem graues Osterwochenende vorhergesagt. Doch das bisschen Fieseln, was da vom Himmel runterkam, rundete unser Buschabenteuer eher noch ab, als dass es wirklich störte. Schließlich war das die perfekt Gelegenheit, meinen brandneuen Sea to Summit-Rucksackregenschutz auszupacken, den Heike im Vorfeld noch für mich gekauft hatte.

 

Danach ging der Great Ocean Walk ein letztes Mal hinunter zum Meer und es folgte ein letztes Stück Strandwanderung, wo zum Ende unserer Tour noch die romantischsten Fotos des ganzen Wochenendes entstanden.

Wanderromantik
Wanderromantik

Und dann waren wir auch schon fast an unserem Auto. Ein paar zauberhaft bunte Vögel am Wegesrand begrüßten uns zurück in der Zivilisation!

Fehlte eigentlich nur noch ein letzter Sprung in die Fluten am Johanna-Beach! Allerdings ohne mich, denn ich hatte an der Holzbank wohl ein wenig zu viel Schokolade gefuttert...

 

Ja, und das war es dann, unser Buschabenteuer. Aber nur für diese Mal, denn der Great Ocean Walk geht ja noch ein ganzes Stück weiter!

 

Und eines fehlte auch noch: nämlich eine fette Pizza in Apollo Bay, bevor es dann zurück nach Melbourne ging!

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