Zweite Station: Drei Millionen Fledermäuse

Drei Millionen Fledermäuse
Drei Millionen Fledermäuse

Aus dem uns fast schon ein bisschen zu zivilisierten Kuching führt uns unsere Reise weiter in einen deutlich ursprünglicheren Teil von Borneo. Unsere nächste Station Mulu ist ein winziger Ort in der Nähe des Sultanats Brunei, der wahlweise mit Boot oder Flugzeug zu erreichen ist. Eine Straße dorthin gibt es nicht. Wir wählen das Flugzeug. Der Kleinbus, mit dem wir am Flughafen abgeholt werden und der die einzig existierende und vielleicht 2 ½ km lange Straße zu unserem Hotel befährt, ist irgendwann mal bei entsprechend hohem Wasserstand mit dem Boot hier angekommen.

Er bringt uns und knapp die Hälfte der anderen Fluggäste zu einer niedlichen Ansammlung von kleinen Häuschen auf Stelzen, die sich wunderbar in den Dschungel einpasst. Die ganze Anlage wurde kürzlich von der Mariott-Hotelkette übernommen und wird derzeit zu einem Luxusferienresort umgebaut. Ob das eine gute Idee ist oder nicht, darüber streiten sich Einheimische wie Touristen: wir finden unser Zimmer eigentlich ganz niedlich, vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommen. Ein anderes Paar, das wir an der Hotelrezeption kennenlernen, fühlt sich dagegen an ein Strafgefangenenlager erinnert…

 

Kurz darauf setzt der Regen ein und prasselt danach gemütlich für den Rest des Tages hernieder auf den – na klar – Regenwald. ;-) Genug Zeit also für eine Tasse Kaffee und einen ausgiebigen Blick wahlweise in den Reiseführer (Heike) oder auf das matte Display eines Kindles (Holger).

Der nächste Tag steht dann im Zeichen der Höhlen: Mulu liegt am Rande eines Kalksteingebirgszuges, in dessen Bauch sich eines der größten unterirdischen Flusssysteme der Erde versteckt und das zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt!

In einem extrem schmalen Bretterbötchen mit Außenbordmotor (wir hoffen einfach mal, dass die Salzwasserkrokodile den Fluss nicht sooo weit hochschwimmen…) machen wir uns auf den Weg. Zunächst in ein kleines Dörfchen, in dem uns die lokale Lebensweise und Kultur nähergebracht werden soll. Das dortige Langhaus ist allerdings vor einiger Zeit zum zweiten Mal abgebrannt und wird derzeit von der Regierung, diesmal sicherheitshalber aus Beton und nicht aus Holz, neugebaut. Daher keine Besichtigung möglich… Einblicke in das Leben im Dorf erhalten wir dennoch, ein kleiner Markt findet täglich statt, überall laufen Katzen, Hunde und Hühner herum und gewaschen und Zähnegeputz wird im Fluß.

 

Nach entsprechend kurzem Aufenthalt geht es weiter zum Eingang des Clearwater Cave-Systems. Entstanden ist es durch den Karstprozess: Kohlendioxid aus der Luft bildet mit Regenwasser Kohlensäure, die den Kalkstein an Rissen und Kanten langsam auflöst. An anderer Stelle scheidet sich dieser beispielsweise in Form von Stalaktiten und Stalagmiten dann wieder ab. Klingt vielleicht etwas trocken, in der Praxis erschafft dieser Prozess aber Naturwunder wie die Plitwitzer Seen in Kroatien oder aber eben die Mulu Caves, durch die wir uns in den nächsten Stunden fasziniert durchknipsen werden. ;-)

 

Und nicht nur wir sind von diesem Naturwunder völlig begeistert: der Nachmittag führt uns auf einem Bretterpfad durch den bornesischen Regenwald zuerst zur Lang Cave (mit erneut wundervollen Stalaktiten und Stalagmiten) und dann zur Deer Cave. Und diese gigantische Höhle haben sich gut drei Millionen Fledermäuse als ihr zu Hause auserkoren!

Mit dem Betreten der Höhle gelangen wir in eine völlig andere Welt: es zwitschert aus allen Ecken und auf den Exkrement-Bergen am Boden haben sich einzigartige Insekten-Ökosysteme entwickelt. Wir kommen vorbei an stilvoll beleuchteten Steinskulpturen und die riesigen schwarzen Flecken an der fast 200 m hohen Decke müssen wohl die Fledermäuse sein. Ein Flüsschen schlängelt sich entlang der Höhlenwand und das Wasser, das vor dem Höhlenausgang im Gegenlicht heruntertropft, erschafft eine schon fast surreale Atmosphäre!

 

Bereits ein gutes Stück vor Einbruch der Dämmerung beginnt dann das eigentliche Spektakel, als die Höhlenbewohner beginnen in Richtung Ausgang zu flattern und uns damit ein einmaliges Naturschauspiel bieten: ein gigantischer Schwarm von Fledermäusen formiert sich zunächst als Wirbel am Eingang der Höhle und zieht sich dann als eine nicht enden wollende Schlange hinaus in den Abendhimmel! Wahnsinn! Im Laufe der nächsten Stunden werden diese putzigen Tierchen mehrere Tonnen an Moskitos verspeisen und uns eine geruhsame, weil stichfreie Nacht verschaffen!

Am nächsten Tag ist unser Höhlenabenteuer dann leider bereits wieder vorbei und mit einer kurzen Zwischenlandung in Miri geht es weiter zur letzten Station unserer Reise nach Sabah, dem zweiten malaysischen Staat auf Borneo.

 

Hier geht es weiter zum letzten Teil:

Dritte Station: Rotwein zum Sonnenuntergang