Dritte Station: Rotwein zum Sonnenuntergang

Rotwein zum Sonnenuntergang
Rotwein zum Sonnenuntergang

Die Hauptstadt von Sabah, Kota Kinabalu, teilt sich ihren Namen mit dem Wahrzeichen des Staates, dem Mount Kinabalu, mit 4095 m Höhe der höchste Berg in Südostasien. In Kota Kinabalu werden wir unsere erste Nacht verbringen. Auf Grund der kurzfristigen Buchung und trotz erheblichem Telefonier- und E-Mail-Aufwands leider in einem Hotel relativ weit außerhalb der Innenstadt und, wie wir etwas unerfreut feststellen müssen, in einem Zimmer ohne Fenster. Dafür geht aber vom Hotel direkt eine Tür in die örtliche Mall, die relativ ausgestorben und nicht weiter sehenswert ist…

 

Also heißt es mit dem Taxi ab in die Innenstadt, damit wir auch rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der Waterfront sind. Wir schaffen es gerade noch just in time und genießen den grandiosen Sonnenuntergang. Mit Einbruch der Dunkelheit und damit etwas erträglicheren Temperaturen geht dann richtig das Leben ab! Auf den diversen Märkten entlang der Uferlinie beginnt dann die Rush Hour des Tages und es werden vor allem Lebensmittel in jedweder Form angeboten. Wir begnügen uns mit ein bisschen frischem Obst, dass wir direkt am Wasser verspeisen. Leider hatte uns unsere Hunger genötigt bereits in der Mall ein bisschen was zu essen…

 

Am nächsten Morgen verlassen wir Kota Kinabalu bereits wieder und machen uns auf in Richtung Norden. Ziel ist die Nordspitze von Borneo, wo wir am Abend den Sonnenuntergang bestaunen wollen. Vor uns liegt die erste wirklich längere Autofahrt unsere Borneoreise und zum ersten Mal haben wir auf unserer Tour auch einen Guide, der uns über einige Tage begleiten wird. Angenehmerweise wird die Fahrt durch mehrere Zwischenstopps aufgelockert, zunächst kurz an einem niedlichen Rastplatz, dann etwas länger an einer Honig- und Kautschuk-Plantage, wo wir den Bienen näher kommen, als uns geheuer ist, und schließlich für eine größere Pause, bei einem der berühmten Langhäuser.

Die bornesischen Langhäuser sind, genau wie der Name sagt, zunächst einmal lange Häuser. Vor allem aber sind sie die traditionelle und ganz eigene Art und Weise des sozialen Zusammenlebens auf der Insel. In einem Langhaus wohnt eine Vielzahl von Familien gemeinsam unter einem Dach, der tägliche zwischenmenschliche Austausch findet im ganz Wesentlichen auf den großzügigen Balkons statt.

Unser Langhaus allerdings wird nicht in dieser traditionellen Art genutzt, vielmehr ist es im Prinzip ein abgefahrenes Hotel für Rucksacktouristen. Am heutigen Tag sind wir allerdings die einzigen Gäste hier und das auch nur für zwei Stunden.

Das hat den Vorteil eines ganz persönlichen Services in Form eines köstlichen und extra für uns angerichteten Mittagessens. Unser Guide, obwohl er mindestens genauso ausgehungert sein muss wie wir, lehnt unsere Aufforderung mit uns zu Essen höflich ab, da er offensichtlich der Meinung ist, dass dieser Service tatsächlich ausschließlich für uns bestimmt ist. Das sehen wir natürlich ganz anders und decken einfach mal für ihn und unseren Fahrer mit. Trotzdem ist er noch nicht vollends überzeugt, dass er wirklich mit uns essen sollte. Also laden wir ihm unbeirrt den Teller voll, worauf er schließlich seinen Widerstand aufgibt und sich zu uns setzt. Dafür darf er uns jetzt aber auch jedes Gericht einzeln erklären. Besonders erfreut sind wir zu erfahren, dass die komischen grünen Kringel, die wir gerade begeistert verspeisen, die Sprösslinge des Farns sind, den wir zwei Tage zuvor noch in der Nähe der Mulu-Caves haben wachsen sehen. :-) Aber auch Bananenblüten und sogenannte 'sweet vegies', die allerdings gar nicht süß sind, schmecken ganz hervorragend!

Im Anschluss an des Essen erwacht das Langhaus dann aber doch noch zum Leben und zwar erneut extra für uns. Aus dem Nachbardorf sind drei Tänzerinnen einschließlich Band (besondere Beachtung verdient dabei die Nasenflötenspieleren) eingetroffen und bringen uns ein Stück malaysische Kultur näher.

 

Noch ein Stückchen mehr Kultur erleben wir dann ein Dorf weiter, das sich auf die Herstellung von Gongs spezialisiert hat. Gemütlich schauen wir uns die Gongschmieden an und schlendern das einzige Sträßchen entlang bis hin zum Dorfplatz. Als wir uns gerade umdrehen und zurückgehen wollen, steht unser Kleinbus auch schon neben uns und erspart uns die 200 m Rückweg. Unser Reiseveranstalter hat sich offensichtlich auf extreme Gemütlichkeit spezialisiert. ;-)

Sind wir in diesem Moment von dieser Spezialisierung vielleiht etwas irritiert, so wissen wir sie doch kurze Zeit später an der Nordspitze von Borneo sehr zu schätzen. Einfach ein wunderbarer Platz auf dieser Erde und erstaunlicherweise haben sich außer uns nicht viele weitere Leute hierhin verirrt! Pünktlich zum Sonnenuntergang fehlt eigentlich nur noch eine Flasche Rotwein und die bekommen wir tatsächlich von unserem Guide gereicht. Trotz all unserer Bemühungen bleibt er selbst aber diesmal hart: Alkohol ist ihm als Moslem verboten. Macht nichts, für romantische Momente brauchen wir eh niemanden außer uns selbst. :-)

Den nächsten Morgen verbringen wir am Hotelpool, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Kota Kinabalu machen, der uns, lediglich von ein paar Fotostopps unterbrochen, unerwartet kurz erscheint. Dort angekommen verdunsten unsere hochtrabenden Pläne für den Nachmittag relativ schnell in der Mittagshitze. Vielmehr als das leckerste Curry aller Zeiten zu bestellen, bekommen wir an diesem Tag nicht mehr hin, und praktischerweise können wir von unserem Platz auf dem Pier sogar die Sonne im Meer versinken sehen.

 

Vielleicht ist es ja ganz gut, dass wir den Tag etwas ruhiger haben ausklingen lassen, denn so haben wir am nächsten Tag bereits am frühen Morgen die Energie uns ein Taxi zum Tierpark von Kota Kinabalu zu nehmen. Naja, vielleicht sogar ein bisschen viel Energie, denn geöffnet wird erst eine halbe Stunde nach unserer Ankunft. Dafür bekommen wir dann aber auch die kleinsten Elefanten der Welt und Papageien mit schauspielerischem Talent zu sehen.

 

Gegen Mittag geht es erneut mit Guide und Kleinbus auf Tour. An den Straßen ziehen sich Kilometer um Kilometer Plantagen mit Ölpalmen entlang, mittlerweile der zweitgrößte Wirtschaftszweig Borneos und damit wie so oft eine große Bedrohung für Urwald samt Bewohner. Am Nachmittag erreichen wir den Klias-Fluss, auf dem es zugeht wie auf einem Highway zur Rush Hour. Für unseren Geschmack sind hier deutlich zu viele Boote unterwegs. Dennoch sehen wir erneut viele Langnasenaffen in den Baumkronen turnen und die Menge an Glühwürmchen, die wir nach Einbruch der Dunkelheit sehen ist wirklich beeindruckend.

 

Damit fehlt auf unserer Borneo Tour nur noch der im wahrsten Sinne des Wortes Höhepunkt und das ist natürlich der Mount Kinabalu. Die ganzen letzten Tage hat er stets majestätisch über uns gethront, jetzt wollen wir uns doch zumindest noch die Urwälder an seinen Hängen anschauen. Je näher wir kommen, desto grandioser erscheint uns der Berg und wir werden leicht wehmütig, dass uns zur Besteigung des Gipfels diesmal einfach die Zeit fehlt…

 

Und so plötzlich wie dieser Artikel ist dann auch unser Borneo-Abenteuer wieder vorbei. Vielleicht werden wir daher nochmal wiederkommen… Vielleicht. Wer weiß schon wie das Leben spielt und ob sich nicht irgendwann nochmal die Gelegenheit zu einem Besuch dieser wunderbaren Insel ergibt…